Europäische Skulpturenstraße des Friedens | European Sculptures Route of Peace

Fortsetzung: Der Bildhauer und Maler Otto Freundlich


Freundlichs Atelier Bateau-Lavoir, Paris
Freundlichs Atelier Bateau-Lavoir, Paris

Im Ersten Weltkrieg ist er zunächst Sanitätssoldat. 1917 schließt er sich die Antikriegsbewegung an. Aufgrund eines Gehörleidens wird er Anfang 1918 aus dem Krieg entlassen. Freundlich hat Einfluss auf die Kölner DADA-Bewegung und ist 1919 Mitorganisator der ersten Kölner DADA-Ausstellung. Er gilt in Berlin im Kreis um Hanna Höch und Raoul Hausmann als der „einzige abstrakte Künstler von Bedeutung“. 1921/22 gehört Freundlich zu den revolutionären Künstler- und Intellektuellenkreisen und steht dabei den Machtgebaren der Kommunisten kritisch gegenüber. Er verfolgt, wie Joachim Heusinger von Waldegg in seiner Monographie zusammenfasst „das Ideal einer sozial eingebundenen, ethisch verpflichteten Kunst“. 1925 zieht er endgültig nach Paris und wird dort Mitglied der Künstlervereinigung „Abstraction-Création“.

Seit 1930 lebt Freundlich mit der Künstlerin Jeanne Kosnick-Kloss zusammen. 1936 eröffnet er in Paris eine private Malschule und veröffentlicht zahlreiche kunsttheoretische und philosophische Texte. So formuliert er Mitte der 1930er Jahren seine Idee von großen, abstrakten, begehbaren, turmähnlichen Skulpturen in der Landschaft, die er als „sculptures montagnes“ bezeichnet.

Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 zerstört Freundlichs enge Kontakte zu den deutschen Kunstkreisen. Seine Werke werden aus deutschen Museen entfernt, die Plastik „Der Neue Mensch“ auf dem Titelblatt der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. Nach Kriegsausbruch beginnt eine Odyssee durch verschiedene französische Internierungslager. Es gelingt ihm zu fliehen, und er findet in einem kleinen Pyrenäendorf Unterschlupf. Anfang der 1940er Jahre fertigt er aus Karton ein Modell des „Phare des sept Arts“, einer besonderen „sculpture montagne“, an. Dieser war als Mittelpunkt einer „cité des arts“ (eine Künstlerkolonie) in Auvers-sur-Oise gedacht, der Ort, wo Vincent van Gogh begraben liegt, und wo er in den 1930er Jahren längere Zeit mit Jeanne Kosnick-Kloss gelebt hatte. Anfang 1943 wird Freundlich denunziert und verhaftet. Er wird vermutlich ins ehemals deutsche Konzentrationslager von Lublin-Majdanek gebracht und ermordet.

Nach dem Krieg fertigt Jeanne Kosnick-Kloss nach dem Kartonmodell des "Turm der sieben Künste" eine Gipsmaquette an, die sich heute, wie auch ein großer Teil des Nachlasses Otto Freundlichs, im Musée in Pontoise, befindet. Diese „Phare des sept arts“, die die Künstlerin nach dem Zweiten Weltkrieg als „Phare de la paix par les sept arts“ bezeichnete, sollte nun in Auvers-sur-Oise die Kreuzung zweier Skulpturenstraßen, deren Verlauf sie genau beschreibt, markieren.

<< zurück

Zitat

Das Werk des Künstlers ist eine Summe konstruktiver Akte, künstlerische Kultur ist und war immer dasselbe: Vorbereitung für die Zukunft.

Otto Freundlich

Je ungeistiger, je brutaler die Gegenwart, desto Geistigeres, Feineres, muss man tun. Das ist Starksein.

Otto Freundlich


©  2017   Straße des Friedens / 2type webdesign  •  letzte Änderung: 11.07.2011   •  alle rechte vorbehalten